Dosierung

Vitamin B12 (Cobalamin) erfüllt eine Reihe essentieller Funktionen im Körper und ist unter anderem wichtig für die Blutbildung, den Stoffwechsel sowie die Nervenfunktion. Vor allem Schwangere und Stillende sind auf eine ausreichende Vitamin-B12-Zufuhr angewiesen, aber auch Vegetarier und vor allem Veganer zählen neben älteren Menschen zur Risikogruppe für einen Vitamin-B12-Mangel. Da der Körper Cobalamin recht gut speichern kann und die Symptomatik eines Mangels häufig unspezifisch ausfällt, wird ein Vitamin-B12-Defizit oft erst nach Jahren entdeckt. Mit regelmäßigen Kontrollen und einer durchgehend ausreichenden Zufuhr kann einem Vitamin-B12-Mangel allerdings effektiv vorgebeugt werden. Doch welche Dosierung reicht tatsächlich aus?

Vitamin B12: Täglicher Bedarf und Zufuhr

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt für einen gesunden Erwachsenen einen täglichen Vitamin-B12-Bedarf von drei Mikrogramm an. Für jüngere Menschen gelten geringere Empfehlungen für den täglichen Bedarf. Während der Schwangerschaft und Stillzeit ist der tägliche Bedarf erhöht. Allerdings ist der tägliche Bedarf nicht mit der Zufuhr gleichzusetzen.

Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt folgende Vitamin B12-Zufuhr täglich (Angaben in µg/Tag):

Säuglinge

  • 0 bis unter 4 Monate: 0,4µg
  • 4 bis unter 12 Monate: 0,8µg

Kinder

  • 1 bis unter 4 Jahre: 1µg
  • 4 bis unter 7 Jahre: 1,5µg
  • 7 bis unter 10 Jahre: 1,8µg
  • 10 bis unter 13 Jahre: 2,0µg
  • 13 bis unter 15 Jahre: 3,0µg

Jugendliche und Erwachsene

  • 15 bis unter 19 Jahre: 3µg
  • 19 bis unter 25 Jahre: 3µg
  • 25 bis unter 51 Jahre: 3µg
  • 51 bis unter 65 Jahre: 3µg
  • 65 Jahre und älter: 3µg
  • Schwangere: 3,5µg
  • Stillende: 4µg

Verschiedene Faktoren können die Aufnahme des wasserlöslichen Vitamins negativ beeinflussen bzw. den Bedarf erhöhen. Dadurch müssen bestimmte Risikogruppen auf eine entsprechend erhöhte Zufuhr achten.

Weitere Empfehlungen

  • Vegan Society (für Veganer): 10µg
  • Werte nach Vakur Bor et al. (für gesunde Menschen): 4-7µg
  • Werte nach Berlin et al. (bei Anämie): 500-600µg

Aufnahmewege von Vitamin B12

Vitamin B12 wird hauptsächlich durch Nahrungsmittel tierischen Ursprungs zugeführt. Andere Vitamin-B12-Quellen sind Nahrungsergänzungsmittel zur oralen Einnahme, die vom Körper auf zwei verschiedenen Wegen resorbiert werden:

  • Transportprotein: Intrinsic Factor (Darm)
  • passive Diffusion an den Schleimhäuten (Mund und Darm)

Mithilfe des Intrinsic Factors können pro Mahlzeit maximal 1,5 bis zwei Mikrogramm Vitamin B12 aufgenommen werden. Das liegt daran, dass sich das Vitamin zwar hervorragend an das Transportprotein bindet, die zur Aufnahme nötigen Rezeptoren der Darmschleimhaut jedoch begrenzt sind.

Um größere Einmaldosen zu resorbieren, verfügt der Körper allerdings über einen weiteren Aufnahmeweg mittels passiver Diffusion an der Darmwand. Doch auch auf diesem Weg gelangen nur etwa ein bis zwei Prozent der jeweiligen Dosis ins Blut, der Rest wird über die Nieren ausgeschieden. Um Nieren und Leber zu schonen, raten Ärzte daher von hohen Einmaldosen eher ab. Mehrere Einzeldosen über den Tag verteilt, sind die meist die bessere Wahl, um die Vitamin-B12-Werte konstant zu halten.

Risikogruppen mit erhöhtem Vitamin B12-Bedarf

Verschiedene Faktoren, darunter der erhöhte Verbrauch während Schwangerschaft und Stillzeit, da auch das Kind mitversorgt werden muss, sowie Aufnahmestörungen durch Zellschäden der Magenwand oder eine gestörte Darmflora erfordern eine erhöhte Zufuhr von Vitamin B12. Darüber hinaus bieten sich höhere Dosierungen zur Behandlung bestimmter Krankheiten an.

Erhöhter Bedarf für Mutter und Kind: Vitamin B12 in der Schwangerschaft und Stillzeit

Vitamin B12 ist von zentraler Bedeutung für die gesunde Entwicklung von Embryo und Kind. Ein Mangel in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für eine Fehlgeburt. Daneben sind allgemeine Entwicklungsstörungen und vor allem bleibende neurologische Schäden des Kindes aufgrund eines Defizits der Mutter in der Schwangerschaft oder während der Stillzeit nicht ausgeschlossen. Der ohnehin erhöhte Bedarf der Mutter wird am besten durch eine erhöhte Dosierung gedeckt.

Stress und Vitamin B12

Psychische Belastung oder physischer Stress sorgt ebenfalls für einen erhöhten Umsatz von Vitamin B12, wodurch der Bedarf in stressigen Lebenssituationen erhöht ist. Eine erhöhte Dosierung wird empfohlen.

Lebensstilfaktoren, die zu einer gestörten Aufnahme von Vitamin B12 beitragen

Neben emotionaler Belastung und körperlicher Anstrengung wirken sich weitere Lebensstilfaktoren negativ auf die Aufnahme von Vitamin B12 aus. Der mit Schadstoffen belastete Zigarettenrauch begünstigt Entzündungen in der Mundhöhle, im Rachenraum sowie im Magen-Darm-Bereich, wodurch sich die Nährstoffaufnahme verschlechtert. Dadurch leiden Raucher häufig an Vitamin-C- und Vitamin-D-Mangel, aber auch ein Folsäuredefizit sowie ein Vitamin-B12-Mangel werden oft beobachtet.

Ähnliches gilt für Alkoholiker, deren Speicherfunktion für Vitamin B12, aufgrund der Belastung für die Leber, eingeschränkt ist. Gleichzeitig wirkt Alkohol nicht nur hemmend auf die Leberfunktion, sondern auch entzündungsfördernd auf die Magenschleimhaut und negativ auf die Darmflora, wodurch die Aufnahme von Vitamin B12 und anderen Nährstoffen zusätzlich gestört wird. Eine hochdosierte Nahrungsergänzung kann zu einer besseren Deckung des Bedarfs beitragen.

Häufig Vitamin-B12-Mangel bei chronisch Kranken und Senioren

Trotz ansonsten gesunder Lebensweise beeinflussen Vorbelastungen durch chronische Krankheiten die Vitamin-B12-Aufnahme negativ. Einige Medikamente, die über Leber und Nieren metabolisiert werden, hemmen zusätzlich die Speicherkapazität des Körpers. Bei ansonsten gesunden Menschen ab dem 65. Lebensalter konnten zudem Zellschäden beobachtet werden, die ebenfalls zu einer verminderten Aufnahme von Vitamin B12 mit fortgeschrittenem Alter beitragen, wodurch eine hochdosierte Nahrungsergänzung zu empfehlen ist.

Mangelnde Zufuhr bei Vegetariern und Veganern

Da Vitamin B12 natürlich nur von Pilzen, einigen Algen sowie Bakterien produziert wird, aber nicht in Pflanzen vorkommt, gelten Vegetarier, aber vor allem Veganer, als Risikogruppen für einen Vitamin-B12-Mangel. Der Mensch kann nur geringe Mengen von Vitamin B12 mithilfe der Darmbakterien selbst herstellen, vorausgesetzt, die Darmflora stimmt.

Durch den gezielten Verzehr von ungewaschenem Obst und Gemüse aus dem Bio-Anbau sowie dem bewussten Konsum einiger Algen, die Vitamin B12 enthalten, können auch Veganer mit der Nahrung geringe Mengen Vitamin B12 zuführen.

Häufig reichen diese Mengen jedoch nicht aus. Sicherheitshalber sind Menschen, die sich vorwiegend oder gänzlich pflanzlich ernähren daher dazu aufgerufen, regelmäßig ihren Vitamin-B12-Status zu überprüfen. Gegebenenfalls kann bei einer Unterversorgung ein entsprechendes Nahrungsergänzungsmittel verabreicht werden, um ein bestehendes Defizit zu behandeln oder einem Mangel vorzubeugen.

Therapeutischer Nutzen von Vitamin B12

Aufgrund seiner Funktion innerhalb des Nervensystems und beim Stoffwechsel wird Vitamin B12 nicht nur bei einem diagnostizierten Mangel verabreicht, um Zellschäden oder neurologische Störungen zu vermeiden. Nein, das wasserlösliche Vitamin kann auch von therapeutischem Nutzen bei der Behandlung von Traumaschäden (z.B. Schleudertrauma) oder zur Begleitung der Wundheilung nach Operationen verabreicht werden.

B-Vitamine werden darüber hinaus therapeutisch zur Behandlung bestimmter koronarer Herzerkrankungen genutzt, da sie helfen können, den Homocystein-Spiegel zu senken. Bei Diabetikern kann Vitamin B12 zur Milderung typischer Symptome wie Kribbeln in den Gliedmaßen oder gestörtem Tastsinn angewendet werden. Offenbar kann auch das rasche Voranschreiten der bislang unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose durch die Verabreichung von Vitamin B12 verlangsamt werden.

Darreichungsformen von Vitamin B12

Vitamin-B12-Präparate sind in folgenden Darreichungsformen erhältlich:

  • Kapseln
  • Tabletten
  • Pulver
  • Nuggets
  • Tropfen oder Sirup
  • Zahnpasta

In sehr hochdosierter Form kann Vitamin B12 auch direkt in die Blutbahn gespritzt werden. Die Injektion von Vitamin B12 ist jedoch nur bei akutem Mangel mit Anämie und bestimmten Aufnahmestörungen aufgrund fehlenden Intrinsic Factors oder beschädigter Magenschleimhaut nötig.

Unterschiedliche Formen von Vitamin B12

Vitamin B12 oder Cobalamin ist eigentlich ein Sammelbegriff für verschiedene Wirkstoffe. In welcher Form Cobalamin im jeweiligen Präparat vorliegt, ist am Namen ersichtlich. Man unterscheidet synthetisches Cyanocobalamin von den natürlichen Formen Hydroxocobalamin, Methylcobalamin und Adenosylcobalamin (5-Desoxyadenosylcobalamin). Idealerweise werden im Nahrungsergänzungsmittel die drei natürlichen Vitamin-B12-Formen zusammen angeboten.

Vorsichtsmaßnahmen – Das müssen Sie beachten!

Da die länger anhaltende Gabe von Vitamin B12 in hohen oder stark hochdosierten Dosen zu einem Ungleichgewicht innerhalb der Gruppe der B-Vitamine führen kann, sollten höhere Dosierungen in jedem Fall stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Obwohl das wasserlösliche Vitamin selbst in hohen Dosen nicht toxisch wirkt, ist bei Lebererkrankungen Vorsicht geboten. Zu hohe Vitamin-B12-Werte werden außerdem mit der Entstehung von Prostatakrebs in Verbindung gebracht, während sehr niedrige Werte Brustkrebs zu begünstigen scheinen.

Um solche Ungleichgewichte zu vermeiden, sollten hochdosierte Mono-Präparate nur kurzfristig bzw. als Kur und bei Bedarf eingenommen werden. Für die längerfristige Einnahme empfehlen sich Vitamin-B-Komplex-Präparate, die neben Vitamin B12 weitere Vitamine der B-Gruppe beinhalten.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Diese Medikamente tragen zu geringen Vitamin-B12-Werten im Körper bei:

  • Antikonvulsiva wie Dilantin
  • Chemotherapie
  • Colchicin (häufig bei Gicht)
  • Gallensäurebinder
  • H2-Blocker/Magensäurehemmer
  • Metformin (bei Diabetes mellitus Typ 2)
  • Protonpumpenhemmer/“Magenschutz“

Vitamin B12 interagiert darüber hinaus mit dem Antibiotikum Tetracyclin und sollte nicht zusammen damit eingenommen werden.

Dosierungsprofile im Überblick

Dosierungsprofil für eine niedrige Dosierung von Vitamin B12 (3-50µg )

  • Nutzen: bedarfsdeckend für Kinder und Jugendliche
  • Zielgruppe: Kinder und Jugendliche
  • weitere Vitamin-B12-Quellen in der Nahrung
  • empfohlene Tagesdosis: 10µg

Weitere Informationen unter: niedrige Dosierung von Vitamin B12

Dosierungsprofil für eine mittlere Dosierung von Vitamin B12 (150-250µg)

  • Nutzen:bedarfsdeckend bei mangelnder Zufuhr
  • Zielgruppen: Vegetarier mit wenigen Vitamin-B12-Quellen
    in der Nahrung, Veganer
  • Erhaltungsdosis, kein Mangel vorhanden
  • empfohlene Tagesdosis: 250µg

Weitere Informationen: mittlere Dosierung von Vitamin B12

Dosierungsprofil für eine erhöhte Dosierung von Vitamin B12 (300-500µg)

  • Nutzen: bedarfsdeckend bei erhöhtem Bedarf
  • Zielgruppen: Schwangere, Vegetarier und Veganer mit zusätzlicher Belastung, Personen unter Stress, bei Infektanfälligkeit, bei unausgewogener Ernährung, bei viel Sport
  • erste Mangelsymptome
  • empfohlene Tagesdosis: 500µg

Weitere Informationen: erhöhte Dosierung von Vitamin B12

Dosierungsprofil für eine hochdosierte Zufuhr von Vitamin B12 (1.000-3.000µg)

  • Nutzen: bedarfsdeckend bei deutlich erhöhtem Bedarf und Aufnahmestörungen
  • Zielgruppen: stillende Mütter, Senioren, chronisch Kranke, Personen mit Magen-Darm-Problemen, bei regelmäßiger Medikamenteneinnahmem, bei Drogen- und Alkoholkonsum, bei Mangelanämie
  • empfohlene Tagesdosis: 1.000µg

Dosierungsprofil für eine Megadosis Vitamin B12 (5.000-10.000µg)

  • Nutzen: therapeutische Anwendung, Kur, Depot auffüllen bei akutem Mangel, akuter Vitamin-B12-Mangel
  • Zielgruppen: bei Krankheiten und nach Operationen
  • empfohlene Tagesdosis: 5.000µg

Fazit

Die Vitamin-B12-Zufuhr sollte stets individuell auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt werden. Dabei spielen vor allem die persönliche körperliche Fähigkeit, das wasserlösliche Vitamin zu verwerten und die natürliche Zufuhr mit der Nahrung eine entscheidende Rolle. Wer durch bestimmte Lebensgewohnheiten wie Rauchen sowie Alkoholkonsum oder durch chronische Krankheiten vorbelastet ist, sollte ebenso wie Vegetarier und Veganer ein entsprechend dosiertes Nahrungsergänzungspräparat erwägen. Im Einzelfall kann sogar die sehr stark erhöhte Zufuhr von therapeutischem Nutzen sein. Die regelmäßige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Quellen
http://umm.edu/health/medical/altmed/supplement/vitamin-b12-cobalamin
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15499634?dopt=Abstract
http://jnci.oxfordjournals.org/content/95/5/373.full
http://ajcn.nutrition.org/content/91/3/571.full
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/5751528
https://www.vegansociety.com/resources/nutrition-and-health/vitamins-minerals-and-nutrients/vitamin-b12-your-key-facts
https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-b12/
Burgerstein, U., Schurgast, H, Zimmermann, M: Handbuch Nährstoffe – Vorbeugen und heilen durch ausgewogene Ernährung (2012), Trias Verlag (12. Auflage)

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