Kann vegane Babynahrung Vitamin-B12-Mangel auslösen?

Nach der vegetarischen Ernährung ist jetzt die vegane Ernährung auf dem Vormarsch. Immer mehr Menschen verzichten komplett auf den Verzehr tierischer Produkte. Erhält die Familie nun Zuwachs, möchten vegan lebende Eltern in den meisten Fällen auch ihr Neugeborenes so aufwachsen sehen. Dazu sollten die Eltern aber zumindest einen Arzt befragen oder sich Tipps der Stiftung Kindergesundheit einholen. Da bei veganer Ernährung die Versorgung mit Vitamin B12 nicht gewährleistet ist, sollte hier dringend eine Supplementation vorgenommen werden.

Der Knackpunkt bei veganem Babybrei ist Vitamin B12

Ärzte raten, dass bei einer veganen Kinderernährung vor allen Dingen auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 geachtet wird.
Vitamin B12 wird vom menschlichen Körper nicht selber produziert, sondern ausschließlich über tierische Produkte zugeführt. Der Körper benötigt aber ausreichend Vitamin B12 für die DNA-Synthese, den Schutz der Nervenstränge in Gehirn und Rückenmark sowie bei der Zellteilung. Speziell der letzte Punkt ist bei Kindern ein sehr wichtiger, da schon während der Schwangerschaft im Mutterlaib die Zellteilung bei den Föten beginnt.

Vegetarische Ernährung von Kindern

Als Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit in München rät Professor Berthold Koletzko, vegetarisch lebenden Eltern, zwei Prinzipien zu beachten, wenn sie ihre Kinder ebenfalls vegetarisch ernähren möchten. Die Gefahr einer Fehlernährung sowie Mangelerscheinungen wächst mit der Anzahl der Einschränkungen der gewählten Kostform.
Je niedriger das Eintrittsalter von Kindern in eine eingeschränkte Ernährungsweise ist, desto wahrscheinlicher werden Mangelerscheinungen auftreten. Speziell bei den ganz jungen Kindern kann dadurch der sich gerade erst entwickelnde Organismus schwer geschädigt werden.

Lakto-ovo-Vegetarier

Lakto-ovo-vegetarisch leben bedeutet, das die pflanzliche Kost um Milchprodukte und Milch sowie Eier erweitert wird. Die Stiftung Kindergesundheit berichtet, dass bei Lakto-ovo-Vegetariern Probleme dieser Art seltener auftreten.
Eine weitere Abwandlung ist die lakto-vegetarische Kost. Hier wird zusätzlich auf die Eier verzichtet. Laut der Stiftung könne aber auch diese Ernährungsweise eine vollwertige Kost darstellen.
Um Kinder von der Geburt an fleischfrei zu ernähren, hat die Stiftung für die Eltern Empfehlungen ausgesprochen.

Stillen bis zum 6. Monat

Falls es möglich ist, sollte das Kind 4 bis 6 Monate gestillt werden, ohne zuzufüttern. Zudem sei es sinnvoll, bei teilweisem oder kürzerem Stillen mit Säuglingsanfangsnahrung zuzufüttern.
Das Füttern der Beikost sollte nicht vor der 17. Woche, also nach dem Ablauf der ersten vier Lebensmonate beginnen, aber nicht später als nach der 25. Woche, also nach dem 6. Lebensmonat.
Der allgemein empfohlene Brei aus Fleisch/Fisch, Kartoffeln und Gemüse kann in diesem Fall durch einen Brei, bestehend aus vegetarischen Produkten wie Kartoffeln, Gemüse und Getreide, ersetzt werden. Von der industriell hergestellten Gläschenkost für Babys können vegetarisch lebende Eltern ihrem Kind einen Brei aus Gemüse und Vollkorn zufüttern.
Da der Organismus eines Babys sich zu diesem Zeitpunkt immer noch in der frühen Entwicklungsphase befindet, kann der Anteil an Eisen aus der pflanzlichen Nahrung nur sehr schlecht aufgenommen werden. Lebensmittel für die Babyernährung sollten aus einer guten Kombination an Vitamin-C- und eisenhaltigen Produkten bestehen.

Saft mit Vitamin C zum Essen

Vitamin C erleichtert dem Körper die Aufnahme von Eisen aus pflanzlicher Kost. Aus diesem Grund sollten Kleinkinder laut Empfehlung Orangensaft zur Mahlzeit trinken. O-Saft enthält einen hohen Anteil an Vitamin C.

Milch mindert die Bioverfügbarkeit von Eisen. Der zugefütterte Brei bei Babys sollte auf keinen Fall Milch enthalten.
Um gesundheitliche Folgen zu vermeiden, sollte ein Mangel an Vitamin B12 durch entsprechende Ergänzungen kompensiert werden. Folgen eines Mangels könnten unter anderem schwerste sowie bleibende Schäden des zentralen Nervensystems sein.

Jodiertes Speisesalz sollte auch in jedem fleischfreien Haushalt vorhanden sein und verwendet werden.

Kinder in vegan lebenden Familien

In vegan lebenden Familien wird neben dem Fleisch zusätzlich auf jegliche Milchprodukte sowie Eier verzichtet. Die Stiftung Kindergesundheit warnt, dass speziell in diesen Haushalten lebende Kinder in eine kritische Situation geraten können.
In der Kinderernährung sind wichtige Nährstoffe wie Vitamin B12 (Cobalamin), Spurenelemente, Eiweiß und Eisen oft nur in geringen Mengen oder gar nicht enthalten. Dieser Mangel, so die Stiftung, könne das Gedeihen der Kinder enorm beeinträchtigen. Wachstum als auch die Entwicklung von Sprache und Motorik können sich verzögern. In manchen Fällen ist die weitere Entwicklung der Kinder nicht mehr in der Lage, diese Verzögerungen wettzumachen.

B12 in Bezug auf die Zellteilung

Professor Koletzko von der Stiftung Kindergesundheit erinnert in seiner Mitteilung daran, dass Vitamin B12 für die Zellteilung und die DNA-Synthese lebensnotwendig ist. Für Veganer und deren Kinder bestehe das Problem darin, dass B12 praktisch nur in tierischen Nahrungsmitteln enthalten ist.
Durch einen Vitamin-B12-Mangel kann es zu Störungen bei der Blutbildung sowie in besonders schweren Fällen zur Hirnatrophie oder zumindest zur Degeneration der Nerven kommen.
Während einer Tagung der Sächsisch-Thüringischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin in Gera heben Ärzte der Uniklinik Jena über einen Fall mit drastischen Konsequenzen durch Mangelernährung berichtet.

Wie die Stiftung Kindergesundheit berichtet, betraf dieser Bericht einen zweieinhalb Jahre alten Jungen.
Die Mutter erzählte bei der stationären Aufnahme, dass sie das Kind bis zu seinem ersten Geburtstag ausschließlich gestillt hatte.
Auch nach dem ersten Geburtstag stillte sie weiterhin mehrmals täglich, fütterte aber Beikost aus Mandelmilch und Früchten. Bei der Einlieferung litt der Junge unter Atemnot. Hinzu kamen typische Symptome einer durch Vitamin-B12-Mangel herbeigeführten Blutarmut.
Dieser Mangel an B12 entstand schon in der embryonalen Phase.

Nachdem bildgebende Untersuchungen des Gehirns durchgeführt wurden, diagnostizierten die Ärzte eine Schrumpfung des Klein- und Großhirns. Hinzu kamen Subduralblutungen. Die anschließende Diagnose lautete auf durch Vitaminmangel hervorgerufene Wernicke-Enzephalopathie.

Professor Koletzko führt weiterhin aus, dass die Mutter, einen bei ihr durch die vegane Lebensweise ohne ergänzende Nährstoffe bestehenden Mangel an Vitamin B12, bereits in der Schwangerschaft an den Fötus weitergegeben hätte. So konnten in der Leber des Embryos weder die lebenswichtigen Vitamine B12 und D noch das ebenfalls wichtige Spurenelement Eisen gespeichert werden. Da nach der Geburt zudem die Muttermilch ebenfalls arm an diesen wichtigen Stoffen ist, kann eine lebensbedrohliche Unterversorgung des Babys drohen.
Im Falle des kleinen Jungen konnte trotz Behandlung auf der Intensivstation und anschließender Kinderneurologie nur noch Schadensbegrenzung eingeleitet werden. Die aufgetretenen geistigen und motorischen Defizite verbesserten sich nur noch zum Teil.

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)

Kommentare sind geschlossen.

Nach oben scrollen