Fördern Säurehemmer einen Cobalamin-Mangel?

Ein Mangel an Vitamin B12 kann weit reichende Folgen haben, da das Krankheitsbild speziell zu Beginn des Mangels nur sehr schlecht festgestellt werden kann. Die Symptome einer Mangelerscheinung und Symptome anderer Krankheiten ähneln sich sehr oft. Durch dieses Ineinandergreifen werden oftmals falsche Diagnosen gestellt. Bei dem Auftreten der ersten erkannten Symptome, welche einem Vitamin-B12-Mangel zugeordnet werden könnten, sollte ein Arzt aufgesucht und ein Mangeltest durchgeführt werden. Zudem kann die Einnahme bestimmter Medikamente einen B12-Mangel fördern.

Medikamente als Beschleuniger für Vitamin-B12-Mangel?

Speziell bei Patienten mit Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt werden Säure hemmende Medikamente verordnet. Magenkranke, welche über einen längeren Zeitraum mit H2-Antagonisten oder Protonenpumpen-Inhibitoren behandelt werden, wird geraten, ihren Vitamin-B12-Status regelmäßig überprüfen zu lassen.

Warnung aus den USA

Die Ärzte des amerikanischen Gesundheitsdienstleisters Kaiser Permanente warnen Patienten, welche über einen längeren Zeitraum Säure hemmende Medikamente einnehmen. Bei einer Dauer von mindestens 2 Jahren bestehe ein Risiko, dass die Einnahme dieser Medikamente mit einem Vitamin-B12-Mangel einhergehen kann. Das Ärzteteam um Jameson. R. Lam aus Oklahoma hat die Verordnungen von Patienten analysiert. Hierbei wurden Ergebnisse von Patienten mit und ohne Diagnose bezüglich B12-Mangels verglichen.
Zwischen 1997 und 2011 wurde bei über 25.000 Patienten ein Mangel an Vitamin B12 festgestellt. Zum Vergleich wurden jedem Patienten 10 gesunde Kontrollpersonen gegenübergestellt.

Hauptaugenmerk auf PPI und H2-Blocker

Die Auswertung der Analyse zeigte, dass von den Patienten mit B12-Mangel 12% über einen längeren Zeitraum mit PPI und 4,2% mit H2-Blockern behandelt wurden. Dagegen standen die Ergebnisse der gesunden Kontrollpersonen, welche nur einen Prozentsatz von 7,2% bei PPI und 3,2% bei H2-Blockern aufwiesen.
Somit bestand nach Meinung des Ärzteteams eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass bei einer Verordnung mit PPI oder H2-Blockern die Feststellung eines Vitamin-B12-Mangels folgen könnte.
Bei einer PPI-Verordnung wurde zudem festgestellt, dass sich das Risiko eines B12-Mangels nach einer Dosiserhöhung vergrößern kann. Die Dosis-Wirkungs-Beziehung bei H2-Blockern war etwas schwächer.

Der Zusammenhang zwischen der Einnahme von PPI und einem Defizit an Vitamin B12 wurde noch durchsichtiger, wenn die letzte Verordnung nicht länger als ein Jahr zurücklag. Fand die letzte Verordnung vor drei oder noch mehr Jahren statt, lagen die Werte bedeutend niedriger.
Unabhängig davon, ob bei einem Patienten weitere bekannte Risikofaktoren vorlagen, schien ds PPI den Vitamin-B12-Status ungünstig zu beeinflussen.
Davon ausgeschlossen war nur eine nachgewiesene Helicobacter-pylori-Infektion. Hier machte sich der Einfluss der Säure hemmenden Therapie nicht bemerkbar.
Speziell bei jüngeren Patienten, Ende Zwanzig/Anfang Dreißig, zeigte das PPI den stärksten Negativeffekt. Bei Menschen höheren Alters wurde der negative Effekt mit der Zunahme der Jahre immer geringer. Die geringsten Werte wurden bei über 80-Jährigen festgestellt. Des Weiteren wurde festgestellt, dass Frauen einem höheren Risiko ausgesetzt sind als Männer.

Zwischen PPI/H2-Blockern und Vitamin-B12-Mangel wird ein Zusammenhang vermutet

Bei den über 50-jährigen Patienten lag die Krankheitshäufigkeit eines B12-Mangels bei 2,3%. Bei einer Verordnung besteht von PPI demnach ein Risiko, dass bei 67 Patienten mit einer Behandlungsdauer von mindestens zwei Jahren mit einer oder mehreren zusätzlichen Mangeldiagnosen bezüglich Vitamin B12 gerechnet werden muss.
Für Lam und sein Ärzteteam sprechen Dinge wie die Zeit- und Dosierungsabhängigkeit dafür, dass der von ihnen gefundene Zusammenhang schlüssig ist. Zudem ist bekannt, dass für die Verstoffwechselung das Vitamin B12 von den Nahrungsproteinen abgespalten werden muss damit der Körper es aufnehmen kann. Das wiederum funktioniert nur in Verbindung mit Magensäure.
Nach der Durchführung weiterer Analysen schließen Lam und Kollegen weitgehend aus, dass diese Wechselbeziehung nur bei Patienten auftritt, welche sich durch vermehrte ärztliche Kontakte einer Säure hemmenden Therapie unterzogen.
Doch selbst wenn andere Einflussfaktoren nicht beachtet werden, könne die Verordnung dieser Medikamente für eine vermehrte Anzahl an Patienten mit Vitamin-B12-Mangel-Risiko verantwortlich sein.
Das Ärzteteam aus USA betont in seinem Fazit, dass sie mit diesen analytischen Ergebnissen keine Empfehlung zum Verzicht auf eine Säure hemmende Therapie aussprechen wollen. Bei einer Verordnung dieser Medikamente sollten die behandelnden Ärzte jedoch immer wachsam sein. Der für einen Patienten günstigste Fall einer Säure hemmenden Therapie sei es, die Dosis so gering wie möglich anzusetzen.

Auslöser für Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt

Erkrankungen des Magen-Darm-Gefüges kommen in der heutigen Zeit immer öfter vor. Allein der Alltag sorgt dafür, dass immer mehr Menschen Probleme bekommen. Stress im Beruf, falsche oder mangelnde Ernährung (Fast Food/Softdrinks usw.) können schon Probleme mit dem Magen oder der Verdauung hervorrufen.
Stress ist da ein ganz enormer Faktor. Übersäuerter Magen oder Magengeschwüre sind keine Seltenheit. Von den Ärzten werden in diesem Fall oftmals über längeren Zeitraum Säurehemmer verschrieben.

Betroffene sehen keine andere Möglichkeit, als der Medikation ihres Arztes zu folgen.
In einem solchen Fall sollte regelmäßig der Vitamin-B12-Status mittels eines Tests überprüft werden.

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