Die Entdeckung und Geschichte des Vitamin B12

Vitamin B12, chemisch auch als Cobalamin bezeichnet, ist ein wasserlösliches Vitamin. Es spielt eine Schlüsselrolle für eine normale Hirnleistung und ein intaktes Nervensystem sowie für die Blutbildung bzw. Hämatopoese. Bei dem Vitamin B12 handelt es sich um das bekannteste der insgesamt 8 B-Vitamine. Es ist für gewöhnlich ein wichtiger Baustein im Stoffwechsel einer jeden Zelle im menschlichen Körper.

Eine Vitamin B12 Knappheit kann zu perniziöser Anämie führen. Die Symptome der perniziösen Anämie, auch Morbus Biermer genannt, lassen sich durch externes Zuführen von Vitamin B12 in Form von Tabletten oder Spritzen lindern. Diesen Umstand entdeckte George Whipple im Jahre 1920 mehr zufällig als geplant. Bei Tierversuchen erzeugte er eine Anämie bei Hunden und therapierte sie im Anschluss daran mit verschiedenen Lebensmitteln. Er wollte untersuchen, ob es eine bestimmte Gruppe an Lebensmitteln gibt, die eine hervorgerufene Anämie möglichst schnell heilen kann. Und tatsächlich machte er eine damals sensationelle Entdeckung: eine große Menge an zugeführter Leber führte mit Abstand zum schnellsten Heilungsprozess. Seine Hypothese aus diesen Versuchen: der Verzehr von Leber kann unter Umständen perniziöse Anämie heilen.

Nach einer Reihe klinischer Studien waren es George Richards Minot und William Murphy im Jahre 1926, die den speziellen Stoff in der Leber isolieren wollten, der für die Heilung der Anämie bei den getesteten Hunden verantwortlich war. Das Ergebnis ihrer Untersuchungen: vermutlich war Eisen der Stoff, der für die Genesung verantwortlich war. Gleichzeitig hatten sie selbst große Zweifel an ihren Tests, da verschiedene Inhaltsstoffe der Leber sich bei Hunden und Menschen unterschiedlich auf den Heilungsprozess auswirkten. In den nächsten Jahren wurden Patienten entsprechend der aktuellen Erkenntnisse mit Hilfe von roher Leber und Lebersaft therapiert.

Im Jahre 1928 gelang es dem Chemiker Edwin Cohn einen Extrakt aus der Leber zu isolieren, der sich in Studien 50-100 mal so positiv auf den Heilungsprozess auswirkte als herkömmliche Leberprodukte. Damit war das erste praktikable Vitamin B12 Präparat geboren. Für die Anfangsstudien, die den Weg zu einer Behandlung des Vitamin B12 Mangels aufzeigten, erhielten Whipple, Minot und Murphy im Jahre 1934 gemeinschaftlich den Nobelpreis.

Die genaue chemische Struktur der Vitamin B12 Moleküle konnte erst im Jahre 1956 mittels moderner Technik erforscht werden. Dorothy Crowford Hodgkin und ihr Team entschlüsselten die Moleküle mit Hilfe von kristallografischen Datensätzen. Der Ansatz, Vitamin B12 in großen Mengen durch Bakterienkulturen produzieren zu lassen stammt aus den 50er Jahren. Das ist gleichzeitig der Grundstein für die moderne Form der Behandlung des Vitamin B12 Mangels.

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